Georg Stöber: Schulbuch, Karten und Konflikte

Am Beispiel von Karten in deutschen Geographieschulbüchern aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die die deutschen Gebietsverluste infolge des Versailler Vertrags thematisieren, diskutiert der Beitrag die Rolle, die Karten bei der Kommunikation von Positionen in einem Konflikt zukommt. Während in diesem Fall die Einbindung in den Text entscheidend ist für das Verstehen/die Interpretation der Karte, zeigt ein anderes Beispiel, die Behandlung Kashmirs in indischen und pakistanischen Schulbuchkarten, dass auch Karten allein in der Lage sind, zumindest territoriale Ansprüche zu vermitteln, auch ohne auf zusätzlichen Text angewiesen zu sein.

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Susanne Grindel: Karten und ihre Grenzen. Zur kartographischen Vermittlung des modernen europäischen Kolonialismus in deutschen Geschichtsschulbüchern des 20. Jahrhunderts

Angesichts der zunehmenden Bedeutung und Verwendung von Karten in Schulbüchern geht der Beitrag der Frage nach, ob darüber auch neue inhaltliche Sichtweisen vermittelt werden. Am Beispiel des modernen europäischen Kolonialismus in Afrika zeigt sich, dass das verwendete Kartenmaterial zwar technisch verbessert wurde, die inhaltlichen Aussagen der Karten jedoch weitgehend konstant blieben. Dies hat dazu beigetragen, die bestehen-den mentalen Karten weiter zu festigen anstatt sie im Sinne des Postkolonialismus neu und weniger eurozentrisch auszurichten. Schulbuchkarten zum Kolonialismus scheinen inso-fern schon aus immanenten Gründen konservative Darstellungsmedien zu sein, die herr-schende Ordnungen und Sichtweisen stützen – und genau darin liegen ihre Grenzen.

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Patrick Lehn: Deutschlandbilder. Historische Schulatlanten zwischen 1871 und 1990

Seit ihrer Entstehung tragen historische Schulatlanten entscheidend dazu bei, Geschichtsbilder zu prägen. Zugleich verdeutlichen sie eindrücklich den Wandel geschichtlicher Auffassungen. Über Generationen hinweg haben sie die raumbezogenen Vorstellungen der Deutschen von ihrem eigenen Land beeinflusst. Ein Vergleich deutscher Schulgeschichtsatlanten im Hinblick auf Konzeption, thematische Schwerpunktsetzung und Kartengestaltung in ihrer zeitlichen Entwicklung von 1871 bis 1990 macht es möglich, gemeinsame Züge, Kontinuitäten und Brüche der Deutschlandbilder über verschiedene Epochen hinweg sichtbar werden zu lassen. Die Analyse der in den Atlanten enthaltenen Kartenbilder zur jeweils neuesten deutschen Geschichte offenbart die Veränderungen des nationalen Denkens in räumlichen Kategorien. Die untersuchten Werke spiegeln so sich wandelnde Haltungen einer ganzen Gesellschaft wider.

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Christina Böttcher: Die (Un)möglichkeit Grenzen auf Karten zu verstehen – Das Fallbeispiel deutsch-deutsche Grenze 1949-1990

Grenzsignaturen auf Geschichtskarten simulieren durch ihr Erscheinungsbild Eindeutig-keit und Klarheit, hinsichtlich ihres Verstehens bereiten sie jedoch didaktische, methodische und wahrnehmungspsychologische Probleme. Aufgrund ihres sachlichen und gestalterischen Konstruktcharakters visualisieren sie zwar lagegetreu zeittypische Grenzverläufe und Raumsituationen, können aber die in ihnen verdichtete Geschichte nicht erzählen. Das trifft auch auf Geschichtskarten über die deutsche Zweistaatlichkeit zu. Auf Grund perspektivischer Intentionen von Kartenautoren und der generalisierten Ausdrucksformen für Grenzdarstellungen werden zeitliche und qualitative Phänomene zu inhaltlichen und graphischen Abstrakta. Die erfolgreiche Dekonstruktion und Interpretation von Grenzen und Grenzsituationen ist abhängig vom Vorwissen, von medialen Kontexten aber auch von der kartenkritischen Kompetenz der Kartennutzer. Durch die Einbeziehung der Ergebnisse der Karteninterpretation in historische Sinnbildungsprozesse besteht die Chance, dass kartenähnliche Strukturen im Sinne von Mental Maps internalisiert werden.

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Tanja Michalsky: Geographie – das Auge der Geschichte. Historische Reflexionen über die Macht der Karten im 16. Jahrhundert

Zusammenfassung Abraham Ortelius schrieb 1570 in der Vorrede zum „Theatrum orbis terrarum“, dass die Geographie ganz zu recht das „Auge der Geschichte“ genannt würde. Ausgehend von dieser schillernden Metapher, die eine organische Verbindung von Geographie und Geschichte insinuiert, widmet sich der Beitrag dem historischen Verständnis von Karten als Instrumenten des Geschichtsverständnisses. Ziel ist es, die…

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Wolfgang Crom/Steffi Mittenzwei: Zur Geschichte der Kartenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin

Kartographische Materialien gehörten seit den Anfängen der 1661 gegründeten Bibliothek zum Bestand. 1859 wurde die Kartenabteilung durch die Aufnahme des Königlich Kartographischen Instituts in die Bibliothek zur selbständigen Abteilung. Seitdem wird der Bestand kontinuierlich ausgebaut und gepflegt. Mit der Übernahme des Kartenarchivs des Großen Preußischen Generalstabs 1919 stieg die Kartenabteilung zu einer der größten Sammlungen weltweit auf. Diesen Status kann sie nach der Wiedervereinigung mit nahezu 1,1 Millionen Karten, über 30.000 Atlanten, 155.000 Ansichten, fast 500 Globen, über 2.200 elektronischen Datenträgern mit kartographischem Inhalt und über 35.000 Bänden Fachliteratur erneut geltend machen. Sie betreut zwei Sondersammelgebiete im Auftrag der DFG und die deutsche Kartenproduktion des 19. Jahrhunderts im Auftrag der Sammlung Deutsche Drucke.

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